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Karneval im September ... oder der längste Marathon der Welt!

Ein Bericht von Petra und Andreas Hasenstab.

Alljährlich findet Anfang September mit dem "Marathon des Châteaux et des Graves" so die offizielle Bezeichnung, ein weltweit wohl einzigartiges Spektakel für Marathonverrückte statt. Der Lauf wurde ursprünglich von einer Gruppe von Doktoren initiiert. Sie alle waren Läufer und tranken gerne Wein und so wurde mit diesem Lauf beide Hobbys vereint. So trafen sich auch dieses Jahr am 7. September in Pauillac an der Gironde ca. 8000 Marathonies, die meisten mit tollen Kostümen um den längsten Marathon der Welt unter die Füße zu nehmen. Die Startplätze sind übrigens streng limitiert und bei ca. 20 000 Anfragen jährlich, ist es ratsam sich frühzeitig um einen der begehrten Plätze zu bewerben. Wir haben für dieses Vorhaben ganz einfach Hardys Marathonreiseservice in Anspruch genommen, was sich ebenfalls als Glücksgriff erwies. So wurden uns die organisatorischen Belange bestens abgenommen, ein sehr nettes Hotel in Naganeau direkt am Atlantik gebucht und ein Zusatzprogramm zusammengestellt, das trotz viel informativer Kultur um Winzer, Wein und die Medocregion noch genügend Freiraum zum relaxen am noch sommerlichen Strand ließ. Die Reisedauer betrug inklusive Bustransfer eine Woche und unsere bunt zusammengewürfelte Marathontruppe harmonierte hervorragend. Schon auf der Hinfahrt haben sich die Reiseteilnehmer mit Rotwein und Käse auf das bevorstehende Event mental vorbereitet. Alle hatten während der Fahrt, sowie während des gesamten Aufenthaltes Spaß wie schon lange nicht mehr. Hier noch einmal herzlichen Dank an Hardy!

Das Marathonwochenende beginnt bereits einen Tag vor dem Lauf mit der obligatorischen Nudelparty bei der sich jedes Jahr ein anderes Weingut als perfekter Gastgeber präsentiert, was bei ca. 1200 geladenen Gästen kein leichtes unterfangen darstellt. Bereits vor dem pünktlichen Einlass um Punkt 20 Uhr ins weiß eingedeckte Festzelt, wurden den Teilnehmern köstliche Aperitifs im Garten des Gastgebers "Chateaux Listrac-Medoc" gereicht. Was dann folgte war eine Party vom Feinsten. Ein Fünfgangmenü, Tanz bei Livemusik sowie für den der alle geschafft hätte, insgesamt 34 verschiedene Weine aus der Region. Zur Auflockerung zwischendurch stellte sich die internationale Läuferschar selbst durch musikalische Einlagen auf der Bühne vor. Auch hier gab unsere Truppe ein gutes und vor allem lautstarkes Bild ab. Es war ein alles in allem ein sehr unterhaltsamer Abend, den wir leider um 23 Uhr verlassen mussten, den am Samstag war ja Marathontag mit pünktlichen Start um 9.30 Uhr.


Marathontag
Der frühe Abschied von der Nudelparty hatte sich gelohnt. Jeder war fit für die bevorstehende Strecke und auf der Fahrt von Lacaneau nach Pauillac wurde das Laufdress angelegt. Kostümierung war angesagt. Der Startplatz ließ eher einen bevorstehenden Karnevalsumzug am Rhein oder in Rio, als einen Marathon vermuten. Überall toll kostümierte Marathonies, sogar teilweise mit Wagen die per Hand über die komplette Marathonstrecke gezogen werden sollten. Das Wetter wäre traumhaft für einen bevorstehenden Tag am Strand gewesen, für einen Marathon jedoch etwas zu heiß. Die Stimmung kochte und riesige feuerspeiende Drachen über den Kopf der Menge kündigten den bevorstehenden Start an. Tausende Zuschauer, teilweise selbst maskiert säumten die Strecke und jubelten den Läufern zu.

Endlich der Startschuss und die Menge setzte sich langsam in Trapp. Zunächst führte die Strecke durch die Straßen des Startorts. Viele Musikkapellen heizten die ohnehin schon tolle Stimmung noch zusätzlich ein. Bestzeiten sind hier nicht möglich, das sollte jedem aber schon im Vorfeld klar sein. Hier ist Stimmung, Tanz und Flirt während des Laufes angesagt. Immer wieder kommt es zu kleineren Gehpausen, weil die engen Gassen mit dem Marathontross aus Läufern und Kostümwagen zu Engpässen führt. Aber es macht tierischen Spaß im Pulk dabei zu sein. Noch innerhalb von Pauillac ist die erste Verpflegungsstation mit Wein. Die meistengreifen hier aber noch zur Wasserflasche. Zur Verpflegung gibt es übrigens zu sagen, dass diese hier vorbildlich organisiert ist. Es gibt alles was das Läuferherz begehrt in recht kurzen Abständen. Wasser, isotonische Getränke, Cola, Bananen, Äpfel und Gebäck. Und zwar von Anfang an.  Nach dem Ortsschild führt die Laufstrecke durch die berühmtesten Weinberge der Welt mit ihren edlen Rebsorten. Die ersten 10 Kilometer sind  noch von vielen Stop and Go-Passagen geprägt und man findet nie seinen eigentlichen Laufrythmus. Unsere Uhr zeigt hier bereits 1 h 20 min an, aber das spielt hier überhaupt keine Rolle. Wer hier auf Zeit läuft ist selbst Schuld.
Wann sonst bietet sich schon mal die  Gelegenheit  bei km 25, im Schlossgarten bei "Baron de Rothschild" ein edles Tröpfchen zu Geniessen. Manche Läufer nutzen die Gelegenheit auch mal für ein erfrischendes Bad im edel angelegten Gartenteich aus.So konnte man sich weiter durch die herrlichen Weinanbaugebiete von Chateaux zu Chateaux trollen. Wobei man durch die ganze Euphorie und denn tollen Angeboten an Köstlichkeiten doch die Strecke nicht unterschätzen darf. Mit zunehmenden Genuss, wächst auch der Schmerz. Auch dies ist eine Marathonstrecke über 42 Km und durch die Weinberge zu den nächst gelegenen Chateaux muss man doch einige Höhenmeter bewältigen. Die teilweise sandigen Böden, die Hitze und auch die meist aufwändigen Kostümierungen tragen nicht gerade zur Erleichterung bei. Auch wir durften die Erfahrung machen und legten unsere  erste Gehpassage bei Km 30 hoch zum Chateaux  Laffitte Carcasset ein, wo wir uns ein weiteres mal mit Meetbrot, Käse, Wasser und Wein stärkten. Frisch aufgetankt machten wir uns weiter und waren gedanklich schon bei km 38, wo Mouton Rothschild mit Weißwein und frischen Austern winkte. Doch der Weg bis dahin zog sich mühsamer wie erwartet und es schlich sich schon langsam die Müdigkeit ein.
An den Chateaux ist die Stimmung immer sehr gut, Livemusik tanzende Zuschauer und Läufer vermitteln immer Ähnlichkeiten mit einem Straßenfest. Die Strecke zwischen den einzelnen Chateaux in den Weinbergen jedoch, verlangen trotz oder gerade wegen des langsamen Lauftempos und den Unterbrechungen dem Läufer viel Biss ab sich immer wieder zu motivieren um weiter zu laufen. Auch im Umfeld der Läuferschar wurde es so langsam immer ruhiger und man merkte doch  wie die Beine immer schwerer wurden, man freute sich doch wenn man wieder durch eine Ortschaft kam und die Zuschauer die Läufer wieder kräftig aufmunterten. Mit letztem Aufschwung ging es nun endlich dem Ziel näher, wobei man noch den allerletzten Auftrieb bei Km 40 bekommt und  man sich die allerletzte Kraft bei einem Stück gegrilltem "Entrecote" holen kann. Im Zielbereich stehen die Zuschauer wieder zu tausenden und auf den letzten 195 Metern läuft man hier auf einem roten Teppich angefeuert von der tollen Zuschauerkulisse.
Auch noch nach dem Zieleinlauf wurden keine Kosten und Mühen gescheut um ums Läufer zu verpflegen. Es erwartete uns ein riesiges Zelt wo man sich richtig regenerieren konnte und die leeren Depots (wenn man aufgrund der Steckenverpflegung überhaupt davon überhaupt sprechen kann!) wieder auffüllen konnte. Neben Wein, Cola, Bier und Wasser gab es alles was das Herz  begehrte: Neben Marmeladebrote, Joghurts, Obsttheke, Kuchen und Kekse gab es auch Knobi-Baguette und Wurstbrote.

Alles in allem eine Superveranstaltung. Wer Bestzeiten laufen will soll nach Berlin oder Hamburg. Wer jedoch gute Stimmung, Tanz und Flirt mit einem toll organisierten Landschaftslauf sucht, kommt hier voll auf seinen Kosten. Als Einsteigermarathon können wir die Veranstaltung aufgrund der äußeren Bedingungen nur bedingt empfehlen. Deshalb an dieser Stelle nocheinmal Respekt vor unseren Marathonneulingen in unserer Reisegruppe! Es sind trotzdem alle durchgekommen.